Fragen und Antworten
Fragen an die Bürgermeisterkandidatin und -kandidaten zur Radverkehrspolitik in Strausberg
Vielen Dank für Ihre Anfragen. Viele Grüße, Knut Steinkopf
Fahrradverkehr ist eine zentrale Säule der Mobilität. Aus städtebaulichen, sozialen und ökologischen Gründen halte ich es für notwendig, neben dem motorisierten Individualverkehr gute und verlässliche Bedingungen für Fußgängerinnen und Fußgänger, den Radverkehr, den ÖPNV und den Bahnverkehr zu schaffen. Ziel muss es sein, im Stadtverkehr vermeidbaren Pkw-Fahrten, wo immer möglich, durch Radfahrten oder ÖPNV eine echte Alternative zu bieten.
Das Radwegenutzungskonzept aus dem Jahr 2021 benennt zahlreiche Maßnahmen zur Stärkung des Radverkehrs. Darin sind 98 konkrete Schwachstellen aufgeführt, von denen bislang nur ein Teil abgearbeitet wurde. Aus meiner Sicht müssen wir hier nicht neu anfangen, sondern das Vorhandene konsequent weiter umsetzen.
Ich setze mich für aufeinander abgestimmte Verkehrssysteme ein, die es ermöglichen, im Alltag auf den motorisierten Individualverkehr verzichten zu können. Gerade für eine langgestreckte Stadt mit verzweigten Wohnquartieren wie Strausberg ist das Fahrrad ein Verkehrsträger, den es gezielt zu stärken gilt.
1. Schulwegsicherung und Fahrradinfrastruktur an Schulen
Die innerstädtischen Schulwege in Strausberg können zum Großteil zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Trotzdem drängeln sich massiv Elterntaxis vor den Schulen, welche die Verkehrssicherheit aller gefährden. Welche Maßnahmen planen Sie, um Schulwege in Strausberg sicher zu gestalten und die Fahrradinfrastruktur an Schulen zu verbessern (z. B. sichere Querungen, Tempo-Reduzierung, Zuwegungen, Abstellanlagen), so dass Eltern ihre Kinder ohne Sorgen mit dem Fahrrad zur Schule schicken können?
Antwort:
Ziel muss es sein, dass alle Schulwege in Strausberg für Kinder sicher zu Fuß oder mit dem Fahrrad nutzbar sind. In den Wohnquartieren, in denen Schulwege zu Fuß erreichbar sind, müssen Kinder sich auch gefahrlos bewegen können. In den weiter außen liegenden Bereichen, in denen das Fahrrad notwendig ist, müssen Geh- und Radwege konsequent aus der Perspektive von Kindern gedacht werden.
Es gibt bekannte Schwachstellen, etwa in der oberen Hegermühlenstraße oder im Dichterviertel. Hier lohnt es sich, die bestehenden Radschulwegpläne erneut heranzuziehen und systematisch umzusetzen. Fehlende Wegabschnitte sollten ergänzt und unübersichtliche oder unlogische Querungen baulich sicher gelöst werden.
Die Schulen sind im Radwegenutzungskonzept ausdrücklich als Zielorte benannt. Das bedeutet für mich: Bei Straßenbauarbeiten und Schulsanierungen müssen Schulwege immer mitgedacht und verbessert werden. Für die Elternbringverkehre – insbesondere an der Hegermühlengrundschule – braucht es eine klare, sichere und praktikable Lösung.
2. Fahrradabstellplätze in Neu- und Bestandsbauten
Die wichtigste Voraussetzung für Radverkehr ist die barrierefreie und sichere Unterbringung der Fahrräder im Wohnumfeld. Wie wollen Sie sicherstellen, dass in Neu- und Bestandsbauten ausreichend, sichere und nutzerfreundliche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder geschaffen werden – insbesondere für E-Bikes, Lastenräder, Anhänger (genauso wichtig für Kinderwagen, Krankenfahrstühle und Rollatoren?
Antwort:
Ein wesentlicher Hebel ist der Baugenehmigungsprozess bei Neubauten. Die aktuell in Überarbeitung befindliche Stellplatzsatzung der Stadt sieht verbindliche Vorgaben für Fahrradstellplätze vor, die konsequent angewendet werden müssen. Dabei sind moderne Anforderungen mitzudenken: ausreichend Platz, barrierefreie Zugänglichkeit und sichere Abstellmöglichkeiten auch für E-Bikes, Lastenräder und Anhänger.
Bei Bestandsbauten sind die Einflussmöglichkeiten begrenzter. Hier sehe ich aber die Stadt in einer Vorbildrolle über ihre eigene Wohnungsbaugesellschaft. Unsere SWG kann beauftragt werden, das Angebot an Fahrradabstellplätzen in ihren Beständen schrittweise zu verbessern.
Die geplante Fahrradabstellanlage am Bahnhof Vorstadt muss funktional, sicher und einladend gestaltet werden. Nur wenn sie gut nutzbar ist, wird sie auch angenommen.
3. Fahrradfreundliche Anbindung Strausbergs in Richtung Berlin
eine durchgehende Fahrradverbindung durch die Gemeinden entlang der S5 Richtung Berlin hat ein hohes Potential für den Radverkehr. Bisher gibt es jedoch keine gemeindeübergreifenden Aktivitäten mit diesem Ziel. Von Seiten des Landes befindet sich ein Radnetz Brandenburg in Entwicklung.
Welche Ideen und Konzepte verfolgen Sie, um die fahrradfreundliche Anbindung Strausbergs an Berlin zu verbessern und den Radverkehr dabei als Teil des Umweltverbundes gezielt zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden für dieses Ziel anzukurbeln?
Antwort:
Die Radwege Richtung Berlin sind bislang nur unzureichend ausgebaut. Das kenne ich auch aus eigener Erfahrung, etwa entlang der L33 über Hönow, Altlandsberg und Eggersdorf. Der Radweg entlang der B1 ist keine attraktive Alternative. Insgesamt ist die Situation für Pendlerinnen und Pendler nicht zufriedenstellend.
Dieses Thema lässt sich nicht allein in Strausberg lösen. Ähnlich wie bei der Wasserfrage, beim Nahverkehr oder im Tourismus braucht es eine enge Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und dem Land. Die Entwicklung des Radnetzes Brandenburg bietet dafür einen wichtigen Rahmen, den ich aktiv nutzen will.
4. Moderne Nord-Süd-Verbindung in Strausberg
Mit der Fertigstellung der Fahrradstraße auf der alten Gleistrasse wurde ein wichtiger Baustein für eine attraktive Nord-Süd-Verbindung für Fahrradfahrende realisiert. Wie stehen Sie zur Vervollständigung dieser Verbindung sowohl in nördlicher als auch in südlicher Richtung?
Antwort:
Kurz gesagt: Ohne Vervollständigung ist die Nord-Süd-Verbindung nur eine halbe Sache. Die Fahrradstraße auf der alten Gleistrasse ist ein wichtiger Anfang, reicht aber nicht aus.
Richtung Süden halte ich die Verbindung hinter dem Handelszentrum bis zum Straßenbahnhof Schlagmühle entlang der Straßenbahntrasse für notwendig. Das ist ein anspruchsvolles Vorhaben, das ohne Fördermittel kaum zu stemmen sein wird, aber aus meiner Sicht strategisch richtig ist.
Richtung Norden ist die Situation komplizierter. Hier bleibt das übergeordnete Ziel, die S-Bahnhöfe besser miteinander zu verbinden.
5. Instandhaltung der bestehenden Radinfrastruktur
Welche Priorität messen Sie der regelmäßigen Instandhaltung der bestehenden Radwege und Fahrradinfrastruktur in Strausberg bei, und wie wollen Sie Mängel künftig systematisch erfassen und beheben?
Antwort:
Radwege sind Teil des Mobilitätskonzeptes der Stadt und müssen entsprechend gleichwertig instand gehalten werden. Für mich ist das laufende Verwaltungsarbeit und keine Sonderaufgabe.
Ich will eine Verwaltung, die Hinweise von orts- und fachkundigen Menschen aufnimmt, ernst nimmt und als Unterstützung versteht. Mängel müssen systematisch erfasst und zeitnah behoben werden.
6. Radverkehrskompetenz in der Stadtverwaltung
Der ADFC Strausberg fordert seit langem in Übereinstimmung mit der Radverkehrsstrategie Brandenburg (Kapitel H1, Punkt 1.3.1)1 die Einrichtung einer Funktion innerhalb der Stadtverwaltung, bei der das Fahrrad-Knowhow konzentriert ist, die alle Projekte systematisch im Hinblick auf die Bedürfnisse des Radverkehrs berät, prüft und ein Einspruchsrecht besitzt, die die Umsetzung des Rahmenkonzeptes zum Radverkehr der Stadt überwacht und dessen Fortschreibung organisiert und die Stadt Strausberg in der AGfK Brandenburg vertritt.
Unterstützen Sie diese Forderung? Wenn ja, wie stellen Sie sich die Umsetzung konkret vor?
Antwort:
Die genannten Aufgaben sehe ich im Fachbereich Technische Dienste der Stadtverwaltung angesiedelt. Die Umsetzung und Fortschreibung des Radwegenutzungskonzeptes ist für mich Teil der baulichen und verkehrlichen Stadtplanung.
Dafür muss das Fachwissen zum Mobilitätskonzept Fahrrad innerhalb der Verwaltung gezielt ausgebaut werden, damit der Radverkehr bei allen relevanten Projekten frühzeitig mitgedacht und geprüft wird.
7. Bürgermeisterradtouren
Sind Sie bereit, ein- bis zweimal jährlich an einer vom ADFC Strausberg organisierten Bürgermeisterradtour teilzunehmen, um sich vor Ort ein Bild von der Radverkehrssituation in Strausberg zu machen und direkt mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen?
Antwort:
Das halte ich für eine gute Idee. Ich bin gern bereit, ein- bis zweimal jährlich an einer vom ADFC Strausberg organisierten Bürgermeisterradtour teilzunehmen, um mir vor Ort ein Bild zu machen und direkt mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zu kommen.
Im Gegenzug lade ich herzlich zu meiner stadtpolitischen Radtour am 17. Januar 2026 ein. Weitere Informationen finden sich auf www.knut-steinkopf.de.
8. Strausberg als Radtourismusregion
Strausberg versteht sich als Radtourismusregion. Wie soll aus Ihrer Sicht die regelmäßige Instandhaltung überregionaler Rad- und Wanderwege organisiert werden, etwa bei der schnellen Beseitigung von Hindernissen wie umgestürzten Bäumen?
Antwort:
Der Föderalismus bringt eine Vielzahl von Zuständigkeiten mit sich. Um Probleme wie umgestürzte Bäume oder beschädigte Wege schneller zu beheben, braucht es weniger Zuständigkeitsdenken und mehr pragmatische Zusammenarbeit.
Ich möchte an einer Kultur des Mitdenkens zwischen Kommunen, Landkreis, Forst und weiteren Verantwortlichen arbeiten, damit Instandhaltung verlässlich und unbürokratisch funktioniert.
9. Öffentlichkeitsarbeit für den Radverkehr
Öffentlichkeitsarbeit in ein wichtiger Gesichtspunkt für die Ankurbelung des Radverkehrs. Im Rahmenkonzept zum Radverkehr von Strausberg sind dazu ausführliche Handlungsempfehlungen gegeben worden.
Werden Sie sich für die Umsetzung dieser Handlungsempfehlungen einsetzen? Welche Maßnahmen können Sie sich für Strausberg vorstellen?
1 Radverkehrsstrategie Brandenburg (https://mil.brandenburg.de/mil/de/themen/mobilitaet-verkehr/rad-
verkehr/radverkehrsstrategie ), Kapitel H1, Punkt 1.3.1:
„Der Radverkehr wird auf allen Verwaltungsebenen zur Querschnittsaufgabe.
Für die Umsetzung der Radverkehrsstrategie schaffen Land und Kommunen geeignete Verwaltungsstrukturen und benennen feste Ansprechpersonen. Sie prüfen regelmäßig die vorhandenen Strukturen sowie die erforderlichen personellen Ressourcen und entwickeln diese bedarfsgerecht weiter.“
ADFC OG Strausberg 22.12.2025 Seite 2 von 3
Antwort:
Die Handlungsempfehlungen zur Öffentlichkeitsarbeit sind im Radnutzungskonzept ausführlich beschrieben. Wichtig ist mir, das Mobilitätsangebot Fahrrad im Bewusstsein der Verwaltung zu verankern und es als Querschnittsaufgabe im Sinne der Radverkehrsstrategie Brandenburg zu verstehen.
Als schnell umsetzbare Maßnahme sehe ich zum Beispiel eine bessere Platzierung auf dem Internetauftritt der Stadt. Darüber hinaus sollte der Radverkehr regelmäßig in der städtischen Kommunikation mitgedacht werden.
10. Touristisches Ergänzungsnetz in der Region Strausberg/Märkische Schweiz
Strausberg versteht sich als Radtourismusregion. Durch Strausberg verlaufen zwei gut ausgebaute überregionale Fahrradrouten. Ein lokales touristisches Ergänzungsnetz, welches Rundtouren und kleiner Touren zwischen den regionalen Bahnhöfen ermöglicht, fehlt jedoch bislang.
Welche Ideen haben Sie zur interkommunalen Zusammenarbeit, um ein solches Netz zu realisieren und Instand zu halten?
Antwort:
Mit den Radwegen nach Gielsdorf und Hohenstein gibt es gute Erfahrungen. Daran lässt sich anknüpfen.
Ähnliche Verbindungen bieten sich Richtung Buckow und Rehfelde an. Wenn es gelingt, solche Routen gemeinsam mit den Nachbargemeinden umzusetzen und dauerhaft zu pflegen, leisten wir einen wichtigen Beitrag zur touristischen Erschließung der Region.
1. Bezahlbares Wohnen und stabile Mieten
Sie schreiben, dass bezahlbares Wohnen mit der SWG und weiteren kommunalen Instrumenten möglich sei und die Mieten stabil bleiben sollen. Was bedeutet „stabile Mieten“ konkret, welche Vorgaben würden Sie der SWG setzen – und wie soll gleichzeitig ausreichend Geld für Sanierungen und neuen Wohnraum zur Verfügung stehen?
Antwort:
Mieten steigen nicht von allein – Mieterhöhungen sind Entscheidungen. „Stabile Mieten“ bedeutet für mich deshalb zunächst: Die SWG soll gesetzlich mögliche Mieterhöhungsspielräume nicht allein deshalb ausschöpfen, weil sie bestehen. In Strausberg begrenzt das Land seit 2026 Neuvertragsmieten grundsätzlich auf höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete und Mieterhöhungen im Bestand auf 15 Prozent innerhalb von drei Jahren. Diese Grenzen sollten für ein kommunales Wohnungsunternehmen Obergrenzen sein, keine Zielmarken.
Ich möchte deshalb für die SWG einen langfristigen Miet- und Investitionsplan der auch das Ziel hat, Mietsteigerungen aktiv zu begrenzen. Wirtschaftlich nicht notwendige allgemeine Mieterhöhungen sollten unterbleiben. Bei Wiedervermietungen sollte geprüft werden, die Mieten freiwillig im unteren und mittleren Bereich des jeweils einschlägigen Mietspiegelfeldes zu halten. Gleichzeitig möchte ich mit den beiden großen Genossenschaften und weiteren Vermietern über ein Bündnis für bezahlbares Wohnen sprechen. Gerade große Vermieter beeinflussen mit ihrer Mietpolitik langfristig auch die ortsübliche Vergleichsmiete.
Stabile Mieten bedeuten aber nicht, dass die SWG auf notwendige Einnahmen verzichten soll. Wohnungen müssen instand gehalten, energetisch und wasserschonend saniert und neuer bezahlbarer Wohnraum muss geschaffen werden. Dafür braucht es Eigenmittel, Förderprogramme von Land und Bund, Kredite und wirtschaftlich vertretbare Mieteinnahmen. Gewinne sollten möglichst wieder in Bestand und Wohnungsbau investiert werden. Mein Grundsatz ist: Die SWG soll das einnehmen, was sie für eine wirtschaftlich gesunde Entwicklung benötigt – aber nicht jede Mieterhöhung durchsetzen, nur weil sie rechtlich möglich wäre.
2. Kitas und Schulen trotz sinkender Kinderzahlen erhalten
Nach Ihrer Aussage soll auch bei sinkende n Kinderzahlen kein Kita- oder Schulplatz verloren gehen. Wie wollen Sie dauerhaft nicht vollständig ausgelastete Einrichtungen finanzieren, und welche zusätzliche Nutzung der Gebäude können Sie sich vorstellen, bevor eine Schließung oder Zusammenlegung überhaupt infrage kommt?
Antwort:
Klar ist, wir können nicht dauerhaft jedes Gebäude unverändert betreiben, wenn die Zahl der Kinder über viele Jahre drastisch zurückgeht. Mein Ziel ist aber, dass kein benötigter Kita- oder Schulplatz und keine wichtige soziale Infrastruktur vorschnell verloren gehen. Schulen und Kitas sind mehr als Gebäude für wenige Stunden am Tag. Sie sind wichtige Orte in unseren Wohnquartieren, und einmal aufgegebene kommunale Infrastruktur lässt sich später nur sehr teuer wieder herstellen.
Deshalb gilt für mich auch hier: Bestand weiterentwickeln, bevor wir Standorte schließen. Wenn Räume nicht mehr vollständig für Schule oder Kita benötigt werden, sollten wir systematisch Mehrfachnutzungen prüfen. Denkbar sind Familien- und Nachbarschaftszentren, Beratungsangebote, Kinder- und Jugendarbeit, Kultur- und Vereinsangebote oder Räume für Selbsthilfe und Begegnung. Schulen, Kitas, Sporthallen und andere öffentliche Gebäude möchte ich stärker als Mehrzweckorte denken. Dafür können kleinere bauliche Anpassungen, geeignete Schließsysteme sowie zusätzliche Mittel für Reinigung, Hausmeisterdienste und Koordination notwendig sein.
Erst wenn eine belastbare Bevölkerungs- und Bedarfsentwicklung sowie eine Sozialraumanalyse zeigen, dass ein Standort dauerhaft nicht mehr benötigt wird und auch eine sinnvolle Mehrfachnutzung nicht trägt, muss über Zusammenlegung oder Schließung gesprochen werden. Bei Schulen müssen wir zudem die jeweilige Schulträgerschaft und die Schulentwicklungsplanung berücksichtigen. Eine solche Entscheidung darf deshalb nicht allein aus einer kurzfristig schlechteren Auslastungszahl entstehen.
3. Beteiligung statt Top-down-Politik
Sie wollen Bürgerinnen und Bürger stärker beteiligen und innerhalb der Verwaltung vom Top-down-Stil zu einer verlässlichen Zusammenarbeit kommen. Welche konkrete Form der Beteiligung soll für wichtige Stadtprojekte verbindlich werden – und wie stellen Sie sicher, dass notwendige Entscheidungen trotz unterschiedlicher Interessen nicht auf unbestimm te Zeit verschoben werden?
Antwort:
Nicht jede Verwaltungsentscheidung braucht einen großen Beteiligungsprozess. Aber gerade bei wichtigen und konfliktträchtigen Stadtprojekten brauchen wir die Perspektive der Menschen, die betroffen sind, der Beschäftigten, die eine Entscheidung umsetzen müssen, und der politisch Verantwortlichen. Entscheidend ist für mich vor allem, dass Beteiligung früh beginnt – bevor Verwaltung und Politik sich bereits auf eine Lösung festgelegt haben.
Für größere Stadtentwicklungs- und Infrastrukturprojekte möchte ich deshalb einen verbindlichen Beteiligungsplan. Zu Beginn muss feststehen: Was ist die konkrete Fragestellung? Wer ist betroffen und muss beteiligt werden? Was kann tatsächlich mitentschieden oder verändert werden? Welche rechtlichen und finanziellen Grenzen gibt es? Und bis wann muss eine Entscheidung getroffen werden? Je nach Thema können dafür Runde Tische, Workshops, Einwohnerversammlungen, Befragungen oder andere Formate eingesetzt werden.
Bei der Entwicklung unserer Wohnquartiere kann ich mir zum Beispiel vorstellen, auf Grundlage von Sozialraumanalysen Runde Tische mit Nachbarschafts-, Kultur- und Sportvereinen, sozialen Trägern, Wohnungsunternehmen, Verwaltung sowie Einwohnerinnen und Einwohnern einzurichten. Dort können die statistischen Ergebnisse mit den Erfahrungen vor Ort abgeglichen, Bedarfe ermittelt und gemeinsame Projekte entwickelt werden.
Beteiligung darf allerdings nicht bedeuten, Entscheidungen auf unbestimmte Zeit zu vertagen. Deshalb braucht jeder Beteiligungsprozess von Anfang an einen klaren Auftrag, einen Entscheidungsrahmen und einen Zeitplan. Am Ende werden die Ergebnisse transparent dokumentiert und fließen in die politische Entscheidung ein. Die Verantwortung für die Entscheidung bleibt dort, wo sie demokratisch hingehört – bei Bürgermeister, Verwaltung und Stadtverordnetenversammlung. Beteiligung ersetzt Entscheidungen nicht; sie soll sie besser und tragfähiger machen.
Themenkreis 1: Klimaanpassung
1. Welche Klimaanpassungsmaßnahmen planen Sie, um Strausberg resilient gegen zukünftige Hitzewellen zu machen?
Hitzeschutz und Wasserschutz müssen gemeinsam gedacht werden. Schulen, Kitas, Spiel- und Sportplätze brauchen mehr Schatten, Bäume, begrünte Flächen, Trinkwasserstellen und möglichst entsiegelte Schulhöfe. Bei Sanierungen kommunaler Gebäude müssen Verschattung, nächtliche Lüftung und eine hitzeangepasste Bauweise zum Standard werden. Hitzeschutz ist zugleich eine soziale Aufgabe der Nachbarschaften. Bibliothek, Stadtteiltreffs und andere kommunale Einrichtungen können an besonders heißen Tagen als öffentlich zugängliche, kühl nutzbare Räume dienen. Wo eine aktive Kühlung erforderlich ist, sollte sie möglichst mit Photovoltaik und einer energetischen Sanierung verbunden werden. So schaffen wir Schutzräume, ohne dauerhaft hohe Energie- und Betriebskosten zu produzieren. Hinzukommen angepasste Öffnungszeiten, aufsuchende Informationen und Nachbarschaftsnetzwerke für Menschen, die während einer Hitzewelle Unterstützung benötigen. Diese Verbindung von Trinkwasserstellen, Schatten, kühlen öffentlichen Räumen und sozialer Ansprache ist für mich Bestandteil eines kommunalen Hitzeschutzprogramms. Ich will den seit Jahren ausstehenden kommunalen Hitzeschutzplan zu einem verbindlichen Arbeitsprogramm machen. Dazu gehören klare Zuständigkeiten in der Verwaltung, ein jährlich fortgeschriebener Maßnahmenplan und eine besondere Vorsorge für Kinder, ältere Menschen, chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen sowie Beschäftigte, die im Freien arbeiten.
2. Wie und mit welchen Maßnahmen wollen Sie der zunehmenden Wasserknappheit begegnen?
Das von unserer Fraktion Die Linke angestoßene Zisternenförderprogramm ist ein sinnvoller erster Schritt. Es darf aber nicht bei der Förderung einzelner privater Anlagen bleiben. Ich will eine gemeinsame Wasserstrategie mit dem WSE, den Mitgliedskommunen, dem Landkreis und dem Land auf den Weg bringen. Darin müssen Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung, Stadtentwicklung, Regenwassernutzung und Klimaanpassung zusammengeführt werden. Regenwasser soll möglichst dort bleiben, wo es fällt. Deshalb brauchen wir mehr Entsiegelung, wasserdurchlässige Flächen, Mulden und Rigolen, öffentliche Zisternen, Gründächer und begrünte Schulhöfe. Regenwasser sollte zur Bewässerung von Stadtgrün, Sportanlagen und Schulhöfen genutzt werden, statt es möglichst schnell abzuleiten. Bei Schulen, Kitas, Sportstätten, Vereinsgebäuden sowie in den Beständen von SWG und Genossenschaften möchte ich erste gemeinschaftliche Regenwasser- und Grauwasserprojekte umsetzen. Auch bei Neubauten und größeren Sanierungen müssen Zisternen, Regenwassernutzung und – wo technisch, hygienisch und wirtschaftlich sinnvoll – Grauwasseranlagen von Beginn an geprüft werden. Jede größere Investition braucht zudem eine Ressourcenfolgenabschätzung: Wie viel Fläche wird versiegelt? Wie viel zusätzliches Trinkwasser und Abwasser entstehen? Wie wird Regenwasser gespeichert oder versickert? Welche Folgekosten entstehen für die Allgemeinheit? Vorhaben, deren Wasserbedarf nicht mit den verfügbaren Ressourcen vereinbar ist, müssen verändert, verkleinert oder verschoben werden.
3. Welche Rolle sehen Sie für Strausberg und für sich als Bürgermeister in der WSE-
Verbandsversammlung?
Als Bürgermeister werde ich die Interessen der Strausbergerinnen und Strausberger im WSE selbstbewusst vertreten. Wasser wird angesichts begrenzter Ressourcen zunehmend auch zu einer Verteilungsfrage. Dabei darf weder eine einzelne Kommune ihre Interessen auf Kosten der anderen durchsetzen, noch darf Strausberg aufgrund seiner Größe und seiner besonderen Wasserprobleme zum Verlierer werden. Strausberg verfügt nach der aktuellen Verbandssatzung über 28 Stimmen und damit über ein erhebliches Gewicht in der Verbandsversammlung. Dieses Gewicht will ich für drei Ziele einsetzen: transparente und öffentlich nachvollziehbare Entscheidungen, eine langfristige Ressourcenplanung und eine gemeinsame Wasserstrategie für das gesamte Verbandsgebiet. Bevölkerungs- und Gewerbeentwicklung müssen künftig mit der tatsächlich verfügbaren Wassermenge abgeglichen werden. Bei größeren Ansiedlungen und Bauvorhaben braucht der WSE belastbare Wasser- und Abwasserbilanzen. Gleichzeitig müssen Einsparung, Regenwassernutzung, die Wiederverwendung von Wasser, regionale Wasserkreisläufe und alternative Gewinnungs- oder Entnahmestandorte vorangebracht werden. Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, die berechtigten Interessen anderer Mitgliedskommunen zu ignorieren. Ich will Partner suchen, die ähnliche Herausforderungen haben, und tragfähige Mehrheiten organisieren. Aus meiner Gewerkschaftsarbeit kenne ich solche Verhandlungen: Interessen müssen klar vertreten werden, am Ende braucht es aber eine Lösung, die für die große Mehrheit dauerhaft funktioniert.
Wie und mit welchen Maßnahmen wollen Sie eine Stabilisierung des Pegels des Straussees
angehen?
Eine bestimmte Pegelhöhe kann ein Bürgermeister nicht seriös versprechen. Ich verspreche aber, dass die Stadt alle beeinflussbaren Faktoren systematisch bearbeitet und regelmäßig öffentlich Rechenschaft darüber ablegt.
Das hydrogeologische Gutachten von 2020 kommt zu einem differenzierten Ergebnis: Hauptursache der Verschärfung sind die veränderten klimatischen Bedingungen und die hohe Verdunstung. Gleichzeitig haben die Grundwasserentnahmen der Wasserwerke Strausberg und Spitzmühle Einfluss auf den Straussee. Empfohlen wurden deshalb ein dauerhaftes Monitoring, die Aktualisierung der verfügbaren Wasserdargebote, eine Anpassung der Ressourcennutzung und die Prüfung alternativer Entnahmestandorte. Diese Empfehlungen müssen konsequent umgesetzt und mit aktuellen Klimadaten fortgeschrieben werden. Ich will deshalb:
- Zu- und Abflüsse, Grundwasserstände, Niederschläge, Verdunstung und Entnahmen
dauerhaft gemeinsam auswerten; - die Fördermengen und Gewinnungsstandorte des WSE insbesondere in Zeiten geringer
Grundwasserneubildung überprüfen; - das Einzugsgebiet des Straussees stärker vor Versiegelung und zusätzlichem
Wasserverbrauch schützen; - Regenwasser in Strausberg und im Einzugsgebiet zurückhalten und versickern;
- Landnutzungs- und Waldumbaumaßnahmen prüfen, die die Grundwasserneubildung
verbessern; - technische Lösungen wie eine Wasserüberleitung oder die Nutzung weitergehend
gereinigten Abwassers ergebnisoffen angehen.
Eine Wasserüberleitung darf allerdings nicht als schnelle Patentlösung verkauft werden. Das
Gutachten nennt dafür erhebliche ökologische, technische und wasserrechtliche
Einschränkungen. Deshalb braucht es eine Abwägung, bei der nicht ein anderes Gewässer
geschädigt wird, um den Straussee zu stützen. Ich möchte jährlich einen öffentlichen Straussee-
und Wasserbericht vorlegen, der Messwerte, Maßnahmen und erreichte Wirkungen
nachvollziehbar darstellt.
Themenkreis 2: Kommunalfinanzen
1. Welche Wege sehen Sie, um freiwillige kommunale Aufgaben noch zu erfüllen, wenn
Pflichtaufgaben die Stadtkasse strapazieren oder leeren?
Ich möchte eine soziale Bestandsgarantie im Haushalt verankern. Schulsozialarbeit Jugendarbeit, soziale Beratung, Bibliothek, Sport- und Schwimmangebote, Stadtteiltreffs sowie eine grundlegende Vereinsförderung dürfen nicht als Erstes gekürzt werden. Pauschale Kürzungen nach dem Rasenmäherprinzip lehne ich ab. Stattdessen müssen wir Ausgaben nach ihrem Nutzen und ihren Folgekosten bewerten. Zuerst überprüft werden müssen Doppelstrukturen, wenig wirksame Einzelmaßnahmen, externe Beratungs- und Dienstleistungen, dauerhaft teure Mietverträge sowie Erweiterungs- und Prestigeprojekte, die neue Personal-, Energie- und Unterhaltungskosten erzeugen. Wo die Stadt Leistungen mit eigenem Personal oder gemeinsam mit kommunalen Unternehmen und Nachbarkommunen günstiger und besser erbringen kann, sollten wir diese Kompetenzen aufbauen. Für Investitionen gilt: Bestand vor Neubau und Lebenszyklus statt bloßer Baupreis. Sanierungen, die Energie, Wasser und laufende Bewirtschaftungskosten einsparen, können finanzielle Spielräume für die Zukunft schaffen. Größere Vorhaben sollten erst freigegeben werden, wenn Betrieb, Personal, Energie, Wasser, Instandhaltung und Finanzierung für mindestens zehn Jahre dargestellt sind. Zugleich müssen wir unsere Fördermittelquote erhöhen. Dafür braucht die Verwaltung vorbereitete Projekte und ausreichende Kompetenz für Fördermittelanträge. Fördergeld ist jedoch nur sinnvoll, wenn die Stadt den Eigenanteil und die späteren Betriebskosten tragen kann. Bau- und Erweiterungsvorhaben müssen notfalls zeitlich verschoben werden, bevor wir dauerhaft soziale Angebote abbauen. Die vorgeschlagene soziale Bestandsgarantie und der Verzicht auf pauschale Kürzungen bilden dafür den richtigen Rahmen. Auf Dauer lässt sich die strukturelle Unterfinanzierung der Kommunen nicht allein im Rathaus lösen. Ich will deshalb gemeinsam mit den Nachbarkommunen gegenüber Land und Bund für eine auskömmliche Finanzierung der übertragenen Aufgaben eintreten.
2. Welche freiwilligen Aufgaben sind für Sie unbedingt weiter zu erfüllen, welche sind
verzichtbar?
Der Begriff „freiwillige Aufgaben“ ist ein Begriff des Haushaltsrechts. Er darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich häufig um unverzichtbare soziale Infrastruktur handelt. Kultur, Sport, Jugendarbeit, Seniorenangebote, Bibliotheken, soziale Beratung, Begegnungsorte und die Unterstützung des Ehrenamtes machen aus einer Ansammlung von Häusern erst eine
funktionierende Stadtgesellschaft. Unbedingt zu sichern sind für mich:
- Schulsozialarbeit sowie offene und mobile Kinder- und Jugendarbeit;
- soziale Beratung, Wohnungslosenhilfe und Angebote gegen Einsamkeit;
- Bibliothek und wohnortnahe Kultur- und Begegnungsangebote;
- bezahlbarer Zugang zu Sport, Schwimmhalle und Vereinsangeboten;
- Seniorenarbeit, Teilhabe von Menschen mit Behinderungen und Unterstützung des
Ehrenamtes; - eine grundlegende Vereins- und Projektförderung in allen Stadtteilen.
Der Strausberger Sozialreport weist für 2024 unter anderem 441 nicht erwerbsfähige
Leistungsberechtigte unter 15 Jahren aus. Das ist kein abstrakter Wert, sondern betrifft Kinder,
deren gesellschaftliche Teilhabe besonders davon abhängt, dass Jugendclubs, Sportvereine,
Bibliothek und Kulturangebote bezahlbar und erreichbar bleiben.
Verzichtbar sind für mich deshalb nicht ganze soziale oder kulturelle Bereiche. Verzichtbar oder
aufschiebbar können dagegen Prestigeprojekte ohne gesichertes Betriebskonzept, parallele
Angebote ohne zusätzlichen Nutzen, überdimensionierte Neubauten, unwirksame
Einzelveranstaltungen und private Förderungen ohne nachvollziehbaren öffentlichen Gegenwert
sein. Unsere Priorität muss gesellschaftliche Teilhabe sein. Eine Stadt kann einen formal
ausgeglichenen Haushalt haben und dennoch sozial sehr arm sein.
Themenkreis 3: Bildung und frühkindliche Entwicklung
1. Kitas mit sinkender Kinderzahl schließen oder die Bildungsqualität mit einem besseren
Betreuungsschlüssel erhalten und verbessern?
Ich halte diese Gegenüberstellung für zu kurz gegriffen. Sinkende Kinderzahlen dürfen nicht automatisch zur Schließung wohnortnaher Einrichtungen führen. Zunächst sollten frei werdende räumliche und personelle Kapazitäten genutzt werden, um die Betreuungsqualität zu verbessern: kleinere Gruppen, mehr Zeit für Sprachförderung, Inklusion, Elternarbeit und die individuelle Begleitung von Kindern – soweit Personal und Finanzierung dies ermöglichen. Entsprechende Landesförderprogramme wie „Kiez-Kita – Bildungschancen eröffnen“ müssen in Zusammenarbeit mit dem Kreis einbezogen werden. Gleichzeitig müssen wir die Einrichtungen flexibler nutzen. Kitas und Grundschulen sind öffentliche Orte, die auch Familienberatung, Kultur, Sport, Nachbarschaftsarbeit oder Angebote für Seniorinnen und Senioren aufnehmen können. So lassen sich Standorte erhalten, qualifizierte Beschäftigte binden und lebenswerte Quartiere stärken. Öffentliche Infrastruktur vorschnell abzubauen und wenige Jahre später teuer neu errichten zu müssen, wäre weder sozial noch wirtschaftlich vernünftig. Dabei ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Die Auslastung der Strausberger Einrichtungen war zum Stichtag Ende 2024 sehr unterschiedlich und reichte bei den aufgeführten Kitas von 46 bis 100 Prozent. Eine pauschale Entscheidung für alle Einrichtungen wäre deshalb falsch. Vor einer Schließung müssen für jeden Standort die langfristige Bevölkerungsentwicklung im Quartier, die Erreichbarkeit einer Alternative, die Gebäudekosten, der Personalbedarf und mögliche Mehrfachnutzungen transparent geprüft werden. Eine Schließung kann das letzte Ergebnis einer solchen Prüfung sein, darf aber nicht der erste Reflex auf eine vorübergehend geringere Auslastung sein. Familien entscheiden sich dort für Kinder und für ein dauerhaftes Zuhause, wo sie bezahlbaren Wohnraum, verlässliche Betreuung, gute Schulen, sichere Wege, Arbeit sowie Kultur-, Sport- und Freizeitangebote vorfinden. Eine familienfreundliche Stadtpolitik besteht deshalb nicht aus einer einzelnen Prämie, sondern aus einem verlässlichen sozialen Umfeld.
Themenkreis 4: Wohnen, Bauen und Stadtentwicklung
1. Welche Anreize setzen Sie für junge Familien, nach Strausberg zu ziehen beziehungsweise für
junge Paare, Familien zu gründen?
Junge Familien brauchen vor allem Verlässlichkeit: bezahlbare und ausreichend große Wohnungen, erreichbare Kitas und Schulen, sichere Wege, gute Arbeitsmöglichkeiten, einen verlässlichen Nahverkehr sowie Sport-, Kultur- und Freizeitangebote. Ein einmaliger Familien- oder Geburtenbonus kann eine freundliche Geste sein, ersetzt aber keine dauerhaft
familienfreundliche Infrastruktur. Ich will deshalb mit SWG, Genossenschaften und Mietervertretungen einen Strausberger Wohnungspakt auf den Weg bringen. Dazu gehören bezahlbare Neuvermietungen, mehr familiengerechte Wohnungen, funktionierende Wohnungstauschmodelle und eine aktive kommunale Bodenpolitik. Wenn eine ältere Person aus einer großen Wohnung in eine kleinere, barrierearme Wohnung wechseln möchte, kann dadurch gleichzeitig Wohnraum für eine Familie
frei werden. Kitas, Schulen, Spielplätze, Jugendangebote und Begegnungsorte müssen gemeinsam mit der Wohnungsentwicklung geplant werden. Junge Familien sollen nicht erst in ein neues Quartier ziehen und anschließend jahrelang auf die notwendige soziale und verkehrliche Infrastruktur warten. Auch kurze und sichere Fuß- und Radwege, Grünflächen und ein funktionierender öffentlicher Nahverkehr gehören für mich zur Familienpolitik.
2. Wie wollen Sie Strausberg für eine alternde Bevölkerung zugänglich und attraktiv halten?
Strausberg muss eine Stadt sein, in der Menschen selbstbestimmt alt werden können. Ende 2024 waren bereits 25,6 Prozent der Strausberger Bevölkerung älter als 65 Jahre. Barrierefreiheit ist deshalb keine Aufgabe für eine kleine Minderheit, sondern ein zentraler Maßstab der gesamten Stadtentwicklung. Dazu gehören barrierearme Wohnungen und Wohnungstauschmodelle ebenso wie abgesenkte Bordsteine, gut begehbare Gehwege, sichere Querungen, barrierefreie Haltestellen, ausreichend Sitzgelegenheiten, öffentliche Toiletten, Schattenplätze und erreichbare Einkaufsmöglichkeiten. Auch die Digitalisierung der Verwaltung darf nicht dazu führen, dass Menschen ohne Smartphone oder digitale Erfahrung ausgeschlossen werden. Persönliche, telefonische und digitale Zugänge müssen nebeneinander bestehen bleiben. Die medizinische und pflegerische Versorgung gehört ebenfalls in die neue Stadtstrategie. Ich will die Entwicklung Medizinischer Versorgungszentren unterstützen, ambulante Pflegedienste beispielsweise durch geeignete Parkregelungen entlasten und gemeinsam mit dem Landkreis untersuchen, welche stationären, teilstationären, betreuten und ambulanten Angebote in zehn oder zwanzig Jahren benötigt werden. Attraktivität im Alter bedeutet aber mehr als Pflege. Sport, Kultur, Bibliothek, Vereine und wohnortnahe Begegnungsorte verhindern Einsamkeit und ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb sollen Kitas, Schulen und kommunale Räume außerhalb ihrer Kernzeiten stärker für generationsübergreifende Angebote geöffnet werden.
3. Welche kommunalen Ansätze sehen Sie, damit Wohnen weiterhin bezahlbar bleibt?
Die wichtigste Voraussetzung ist, dass die Strausberger Wohnungsbaugesellschaft dauerhaft in kommunaler Hand bleibt. Sie darf nicht als kurzfristige Haushaltsreserve behandelt werden, sondern braucht klare öffentliche Ziele: bezahlbare Mieten, Erhalt und energetische Verbesserung des Bestandes, barrierearmer Umbau, Wohnungstausch und ein bedarfsgerechter Neubau. Bei Neubauprojekten müssen Förderprogramme konsequent genutzt und langfristige Miet- und Belegungsbindungen vereinbart werden. Kommunale Flächen sollen grundsätzlich nicht verkauft werden, um z.B. laufende Haushaltslöcher zu schließen. Erbbaurechte und Konzeptvergaben erhalten der Stadt langfristige Einflussmöglichkeiten. Bei privaten Vorhaben können städtebauliche Verträge genutzt werden, um bezahlbare Wohnungen, soziale Infrastruktur, Grünflächen und eine Beteiligung an den Infrastrukturkosten zu sichern. Wo die Stadt Grundstücke vergibt, sollten nicht allein der höchste Kaufpreis, sondern das Wohnkonzept, die Miethöhe, die Dauer der Bindungen, Barrierefreiheit, ökologische Qualität und der öffentliche Nutzen entscheiden. Bezahlbares Wohnen entsteht außerdem nicht nur durch Neubau. Der vorhandene Bestand muss erhalten, modernisiert und besser genutzt werden. Wohnungstausch, altersgerechter Umbau und die Aktivierung leerstehender oder untergenutzter Räume können zusätzlichen Wohnraum schaffen, ohne neue Flächen zu versiegeln. Eine ehrliche Wohnungspolitik darf zugleich nicht versprechen, dass jeder frei finanzierte Neubau automatisch günstig sein wird.
Umso wichtiger sind kommunale und genossenschaftliche Bestände.
4.Wie wollen Sie den Zielkonflikt zwischen Wohnungsbau, Umwelt- und Klimaschutz sowie
steigendem Wasserbedarf angehen?
Ich will diesen Zielkonflikt nicht leugnen. Jede neue Wohnung bedeutet zunächst zusätzlichen Flächen-, Wasser-, Energie- und Infrastrukturbedarf. Deshalb darf Strausberg nicht allein nach der Zahl neu gebauter Wohnungen bewertet werden. Entscheidend ist, welche Wohnungen benötigt werden, wo sie entstehen und welche sozialen und ökologischen Folgen sie haben. Innenentwicklung und die Nutzung vorhandener Gebäude müssen Vorrang vor einer weiteren Ausdehnung in Landschafts- und Einzugsgebiete haben. Auch Innenentwicklung darf jedoch nicht bedeuten, jede Grünfläche zu bebauen. Stadtgrün, Frischluftkorridore, Versickerungsflächen und schattenspendende Bäume sind notwendige Infrastruktur. Für größere Vorhaben soll eine verbindliche Wasser-, Klima-, Flächen- und Folgekostenbilanz erstellt werden. Sie muss zeigen:
- wie viel Fläche zusätzlich versiegelt wird;
- wie viel Trinkwasser und Abwasser entstehen;
- wie Regenwasser zurückgehalten, genutzt und versickert wird;
- welche Grün- und Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen sind;
- welche kommunalen Kosten für Straßen, Kitas, Schulen, Verkehr und technische
Infrastruktur folgen.
Zisternen, Gründächer, wasserdurchlässige Oberflächen und wassersparende beziehungsweise
grauwasserfähige Gebäudetechnik sollten bei Neubauten und größeren Sanierungen frühzeitig
eingeplant werden. Auch die Bundeswehr als großer Flächen- und Infrastrukturnutzer muss in
eine gesamtstädtische Wasserstrategie einbezogen werden.
Wo der WSE keine dauerhaft tragfähige Versorgung nachweisen kann oder die Wasser- und
Flächenbilanz nicht vertretbar ist, muss ein Projekt verkleinert, verändert oder verschoben
werden. Das ist kein grundsätzlicher Baustopp, sondern verantwortliche Stadtentwicklung nach
dem Prinzip Qualität statt Quantität.
Themenkreis 5: Verkehr und Mobilität
1. Wo sehen Sie Strausberg nach acht Jahren beim Thema Mobilitätswende?
Strausberg soll nach acht Jahren nicht autofrei, aber deutlich weniger autoabhängig sein. Menschen sollen im Alltag eine echte Wahl haben, ob sie zu Fuß, mit dem Fahrrad, der Straßenbahn, S-Bahn, Regionalbahn, dem Bus oder dem Auto unterwegs sind. Das schafft auch Platz auf der Straße für diejenigen, die auf das Auto angewiesen sind. Gleichzeitig sollen möglichst viele kurze und mittlere Wege sicher ohne Auto zurückgelegt werden können. Die Straßenbahnlinie 89, die S-Bahn und die Buslinien bilden das Rückgrat. Haltestellen und Umsteigepunkte sollen barrierefrei, sicher und gut erreichbar sein. Fuß- und Radwege müssen ein zusammenhängendes Netz bilden und dürfen nicht an gefährlichen Kreuzungen oder fehlenden Abschnitten enden. Mobilität muss flächensparend organisiert werden: Bestehende Stellplätze besser nutzen, Parken im Quartier ordnen und neue versiegelte Parkflächen nur als letzte Möglichkeit schaffen. Das Fahrrad ist dabei eine zentrale Säule, aber nicht die alleinige Lösung. Ziel ist ein abgestimmter Umweltverbund, der im Alltag eine verlässliche Alternative zu vermeidbaren Pkw- Fahrten bietet. Gerade für eine langgestreckte Stadt mit unterschiedlichen Wohnquartieren
müssen Fahrrad, Straßenbahn, Bus und Bahn gut miteinander verknüpft werden. Mein Maßstab wäre nicht ein einzelnes großes Prestigeprojekt, sondern spürbare Verbesserungen im Alltag: sichere Schulwege, verlässliche Anschlüsse, barrierefreie Haltestellen, instand gehaltene Geh- und Radwege und weniger Konflikte zwischen den verschiedenen Verkehrsarten.
2. Welche Maßnahmen werden Sie gezielt anstoßen oder weiterverfolgen?
Wir müssen nicht wieder bei null anfangen. Das Radnutzungskonzept von 2021 weist 98 konkrete Punkte mit Handlungsbedarf aus. Das gilt es sinnvoll zu priorisieren und an der Umsetzung dran zu bleiben. Besondere Priorität haben für mich: Sichere Schulwege: Bekannte Schwachstellen, etwa in der oberen Hegermühlenstraße und im Dichterviertel, müssen aus der Perspektive von Kindern bearbeitet werden. Dazu gehören sichere Querungen, nachvollziehbare Verkehrsführungen, Tempoanpassungen, gute Beleuchtung und ausreichende Fahrradabstellanlagen. Elternbringverkehre müssen so organisiert werden, dass sie nicht selbst zur Gefahr werden. Vervollständigung der Nord-Süd-Radverbindung: Die Fahrradstraße auf der alten Gleistrasse ist ein guter Anfang, bleibt ohne Fortsetzung aber eine halbe Lösung. Richtung Süden sollte die Verbindung hinter dem Handelscentrum bis zum Straßenbahnhof Schlagmühle weiterentwickelt werden. Richtung Norden bleibt das Ziel, die S-Bahnhöfe und die Wohnquartiere besser miteinander zu verbinden. Pflege vor immer neuen Konzepten: Geh- und Radwege sind reguläre Verkehrsinfrastruktur. Mängel müssen systematisch erfasst, öffentlich nachvollziehbar priorisiert und zeitnah beseitigt werden. Das Wissen des ADFC und ortskundiger Bürgerinnen und Bürger sollte die Verwaltung dabei als Unterstützung nutzen. Mit einem verbindlichen Ansprechpartner in der Stadtverwaltung haben wir einen guten Schritt getan. ÖPNV und Umstieg verbessern: Straßenbahn, S-Bahn, Regionalbahn und Bus müssen besser aufeinander abgestimmt werden. Für Strausberg Nord und weiter außen liegende Wohnplätze sind ergänzende Rufbus- oder bedarfsgesteuerte Angebote zu prüfen. Wenn der Nahverkehrsplan für 2029 neu aufgelegt und mit Kreis, Land und Bahn abgestimmt wird, müssen wir konkrete Vorschläge erarbeitet haben. Bahnhöfe und Haltestellen sollen sichere Fahrradabstellmöglichkeiten, barrierefreie Zugänge und dort, wo es sinnvoll ist, gemeinschaftliche Ladepunkte erhalten. Parken im Quartier ordnen: Gemeinsam mit SWG und Genossenschaften will ich Quartierskonzepte entwickeln, die Stellplätze, Grün, Feuerwehrzufahrten, Barrierefreiheit sowie Fuß- und Radverkehr zusammen betrachten. Die Mehrfachnutzung vorhandener Stellplätze ist grundsätzlich besser als zusätzliche Versiegelung. Elektromobilität sozial gestalten: In den großen Mietquartieren brauchen wir gemeinsam mit den Stadtwerken ein Modell für wohnortnahes und bezahlbares Laden. Den kommunalen Fuhrpark möchte ich dort schrittweise elektrifizieren, wo dies technisch sinnvoll und über die gesamte Nutzungsdauer wirtschaftlich ist. Fortschritte sollen in einem Mobilitätsbericht sichtbar gemacht werden. Zusätzlich halte ich gemeinsame Vor-Ort-Termine und Bürgermeisterradtouren mit dem ADFC und interessierten Bürgerinnen und Bürgern für sinnvoll.
1.) Was tun Sie gegen Diskriminierung, Rassismus oder Mobbing in unserer Stadt? Welche Minderheiten-Gruppe ist in Ihren Augen derzeit ohne Lobby und benötigt am meisten Unterstützung?
Antwort: Das ist eine sehr wichtige Frage. Ich stehe prinzipiell für gleiche Rechte für alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig von Geschlecht, nationaler Herkunft, religiöser Zugehörigkeit, körperlichen oder geistigen Einschränkungen, der Frage, wieviel Geld zu Hause vorhanden ist und vielen weiteren Punkten, die Menschen unterscheiden und einzigartig machen. Um dies zu leben, benötigen wir ausreichend Ressourcen in der frühkindlichen Bildung, also der Kita, und der Zeit danach: In der Schule, in der Schulsozialarbeit. Wir benötigen ausreichend Angebote für die offene Jugendarbeit, und eine Stadt, die Vielfalt sichtbar unterstützt. Mit mehr Ressourcen meine ich ausreichend Personal, ausreichend Räumlichkeiten und eine klare unterstützende Haltung bei denen, die in diesen Einrichtungen arbeiten. Gleiche Rechte für alle sind, wie wir leider erleben müssen, zwar auf dem Papier gesetzlich verankert, aber das wird nicht gelebt. Hier müssen wir aktiv uns jeden Tag für einsetzen. Denn gegen Diskriminierung hilft nicht Wegschauen, sondern frühes Handeln.
2.) Wo konkret können Sie sich Jugendtreffpunkte im öffentlichen Raum vorstellen, an denen wir geduldet werden?
Antwort: Jeder Stadtteil braucht Orte, an denen Jugendliche einfach sein dürfen. Das können überdachte Bänke, kleine Plätze oder Aufenthaltsbereiche in Wohngebieten sein – so geplant, dass niemand gestört wird, aber Jugendliche nicht unsichtbar gemacht werden. Die besten Ideen für Orte und wie diese ausgestaltet sein sollen, entstehen im Gespräch mit euch. Ich will, dass Jugendliche mitentscheiden, wo Treffpunkte sinnvoll sind – denn ihr wisst am besten, wo ihr euch aufhaltet, und was funktioniert. Ich kann als Bürgermeister die entsprechenden Anlieger oder Flächeninhaber an einen Tisch holen, damit wir prüfen, was wir gemeinsam hinbekommen. Mir ist wichtig, dass auch an solchen Orten Jugendliche Mitverantwortung dafür übernehmen, dass alles erhalten und gepflegt bleibt.
3.) Sehen Sie grundsätzlich den Bedarf für zusätzliche Angebote wie einen Jugendclub oder ein Jugendcafé in unserer Stadt? Wie sollten solche Angebote aus Ihrer Sicht ausgestaltet sein und wie würden Sie diese als Bürgermeister*in konkret unterstützen?
Antwort: Ja – es gibt klaren Bedarf. Das zeigt nicht nur die Alltagserfahrung, sondern auch die fachliche Grundlage. Offene Jugendarbeit ist nach SGB VIII Pflichtaufgabe der Kommune (bei uns des Kreises) und wir wissen, es gibt räumliche Lücken, fehlende Abend- und Wochenendangebote und besonders für die Altersgruppe 12–16 Jahre zu wenig passende Orte. Wir sind eine verzweigte, langgestreckte Stadt, in der es an manchen Orten an niedrigschwelligen, konsumfreien und sozialraumbezogenen Treffpunkten fehlt. Solche Treffpunkte sollten von euch mitbestimmt sein, so dass Jugendliche Räume und Regeln selbst gestalten können. Wünschenswert wäre es, das mit aufsuchender Jugendarbeit (Streetwork) zu kombinieren, damit auch die erreicht werden, die nicht von selbst kommen.
Als Bürgermeister lade ich euch ein die Jugendhilfeplanung aktiv mitzugestalten und Bedarfe aus den Stadtteilen konsequent einzubringen. Wir müssen überlegen, wie wir vorhandene städtische Räume mehrfach, auch für Kinder- und Jugend-Treffpunkte, nutzbar machen können.
4.) Nehmen wir an, wir sind bei „Wünsch Dir was“ – Was würden Sie für Kinder in Strausberg errichten bzw. bauen lassen?
Antwort: In jedem Wohngebiet einen wirklich attraktiven Spielplatz und einen Bolzplatz. Und für ältere Kinder und Jugendliche überdachte Bänke zum Abhängen – so geplant, dass sie niemanden stören. Wenn Wohnungsunternehmen mitziehen, können wir das gemeinsam schaffen.
5.) Haben Sie eine konkrete Idee, wie und wo günstiges und jugendgerechtes Wohnen für Azubis und Studenten geschaffen werden kann, damit junge Menschen nach der Schulbildung in der Region bleiben können?
Antwort: Wer hier lernt oder eine Ausbildung macht, soll auch hier bleiben können. Das gelingt nur, wenn Wohnen bezahlbar bleibt – daran will ich als Bürgermeister arbeiten. Der erste Schritt ist eine verantwortliche Mietenpolitik: Mieten dürfen nicht weiter erhöht werden. Mit kommunalen Wohnungsunternehmen können wir gezielt kleine, bezahlbare Wohnungen für junge Menschen schaffen.
6.) Wie stehen Sie zu selbstangelegten und selbstverwalteten Cross-Strecken in Strausberg? (Eine Cross-Strecke für Roller und/oder BMX, auch Pumptrack genannt, ist ein speziell angelegter, kompakter Rundkurs im Gelände zum Freizeittraining.)
Antwort: finde ich spannend. Kenne ich selber noch nicht. Würde ich gerne mal ausprobieren. Selbstverwaltung finde ich super. Ich selbst habe in meiner Jugend ein selbstverwaltetes Jugendprojekt aufgebaut und habe es sehr genossen selbstbestimmt und eigenverantwortlich mich um meine Angelegenheiten zu kümmern. Und das immer gemeinsam und solidarisch mit anderen. So entsteht wirkliche Demokratie, eine demokratische Gesellschaft.
7.) Welche Sport- und Freizeitflächen fehlen Ihrer Meinung nach noch in Strausberg und haben Sie eine Idee, wo diese entstehen könnten?
Antwort: Viele Jugendliche haben mir gesagt, sie wollen wohnortnahe, frei nutzbare Sportflächen: Bolzplätze, Basketballkörbe, kleine Bewegungsangebote. Mehr Orte, an denen sich verschiedene Altersgruppen bewegen können – niedrigschwellig und ohne Vereinszwang. Gerade in dicht bebauten Wohngebieten sehe ich Nachholbedarf. Da sollten sich auch die Wohnungsbauunternehmen und Vermieter aktiv beteiligen. Möglicherweise sind die gerade in Errichtung befindlichen öffentlichen Sport- und Freizeitflächen im Kulturpark ein guter Anfang und könnten als Muster für andere Stadtteile und Gemeinschaftsaufgaben taugen.
8.) Kinder lieben Tiere, aber nicht jedes Kind kann/darf ein eigenes Haustier haben. Haben Sie eine Idee, wie der Kontakt von Kindern zu Tieren in Strausberg gefördert werden kann?
Antwort: Nicht jedes Kind braucht ein eigenes Tier – aber jedes Kind sollte die Chance haben, Tieren zu begegnen. Der Umgang mit Tieren fördert Verantwortung und Empathie. Deshalb sollten Kitas, Schulen und Vereine dabei unterstützt werden, solche Erfahrungen zu ermöglichen. Ich kenne Schulen, da haben sich z.B. Schüler*innen als Arbeitsgruppe um eine Vogelvoliere gekümmert, und ich kenne Kitas, in denen es Hasen gibt, die von den Kindern gefüttert werden. Oder Begegnungsstätten bzw. Nachbarschaftsgärten, die sogar eine kleine Kaninchenzucht betrieben haben. Auch Tierheime in der Nähe suchen immer wieder ehrenamtliche Helfer. Solche Projekte finde ich sinnvoll und man kann sie gut umsetzen.
9.) Wo sehen Sie Grenzen in der kommunalen Kinder- und Jugendbeteiligung?
Antwort: Grenzen gibt es dort, wo rechtliche Vorgaben oder fehlende finanzielle Mittel Entscheidungen einschränken. Grenzen sind jedoch kein Grund, Beteiligung klein zu machen. Im Gegenteil: Gerade schwierige Entscheidungen müssen gemeinsam besprochen werden. Ich hoffe ihr vom Kinder- und Jugendparlament unterstützt mich dabei.
10.) Sind Sie ein Vorbild für uns, und wenn ja, in welchen Bereichen?
Antwort: Ich will kein perfektes Vorbild sein. Aber ich hoffe, dass ich zeigen kann: Man kann Verantwortung übernehmen, solidarisch handeln und sich einmischen.
1. Wo können Strausbergerinnen und Strausberger Sie treffen?
Ich komme zu den Menschen – nicht umgekehrt. An den Wochenenden bin ich in allen Stadtteilen unterwegs und führe wieder Haustürgespräche. Außerdem gibt es Formate wie „Kaffee mit Knut“ oder „Slushy mit Knut“, bei denen wir unkompliziert ins Gespräch kommen. Alle Termine und Mitmachmöglichkeiten finden Sie auf knut-steinkopf.de.
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2. Was unterscheidet Sie von Ihren Mitbewerbern?
Ich habe Strausberger Wurzeln und kenne Strausberg aus vielen Perspektiven: als Straßenwärter, Erzieher und arbeite heute als Bereichsleiter einer Bundesgewerkschaft mit Führungs-, Budget- und Personalverantwortung. Als Familienvater und Gewerkschaftssekretär weiß ich, wie wichtig bezahlbares Wohnen, gute Kitas, Mobilität und eine funktionierende Verwaltung sind. Ich verbinde soziale Haltung mit Verwaltungskompetenz.
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3. Was sagen Sie Menschen, die nach der annullierten Wahl misstrauisch sind?
Gerade jetzt gilt: mitmachen statt aufgeben. Wer sich zurückzieht, überlässt anderen die Entscheidungen. Ich will eine Verwaltung, die transparent arbeitet und die Menschen früh beteiligt. Vertrauen entsteht durch Mitwirkung, nachvollziehbare Entscheidungen und Verlässlichkeit. Gerade nach der Wahlwiederholung ist es wichtig zu zeigen: Demokratie hier bei uns vor Ort funktioniert, wenn Menschen mitgestalten und Politik Verantwortung übernimmt.
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4. Welches Thema wurde im Wahlkampf bislang zu wenig diskutiert?
Die Zukunft unserer Daseinsvorsorge. Damit die konkreten Dinge funktionieren, braucht es eine Strategie und den Blick auf das große Ganze. Bezahlbares Wohnen, Wasser, Mobilität, Kultur und kommunale Unternehmen hängen zusammen. Gute Kommunalpolitik denkt diese Themen gemeinsam und handelt vorausschauend. Entscheidend ist, was wir selbst gestalten können – damit Strausberg sozial, wirtschaftlich stark und klimafest ist.
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5. Welche drei Themen haben für Sie oberste Priorität?
Erstens: bezahlbares Wohnen durch eine starke SWG und eine aktive Bodenpolitik. Zweitens: eine gemeinsame Wasserstrategie, damit Strausberg auch künftig sicher versorgt ist und sich an den Klimawandel anpasst. Drittens: Vereine, Kultur und Sport stärken, denn sie schaffen Zusammenhalt, Lebensqualität und machen unsere Stadt für alle Generationen attraktiv.
Was haben Sie für die ersten 100 Tage nach Amtsantritt auf Ihrer Agenda, was wollen sie direkt auf den Weg bringen?
- Das INSEK stammt aus dem Jahr 2017 und kann heute keine ausreichende strategische Grundlage mehr sein – deshalb werde ich die Erarbeitung einer neuen Gesamtstrategie für Strausberg auf den Weg bringen.
- Ich starte eine Wasserstrategie gemeinsam mit dem WSE und den beteiligten Kommunen, die Wasserverfügbarkeit, Stadtentwicklung, Regenwassernutzung und Klimaanpassung zusammenführt.
- Mit SWG, Genossenschaften und Mietervertretungen will ich einen „Strausberger Wohnungspakt“ für bezahlbare Neuvermietung, Wohnungstausch und eine aktive kommunale Bodenpolitik anstoßen.
- Ich werde mit den Führungskräften und Beschäftigten der Verwaltung eine Bestandsaufnahme starten: Was funktioniert gut, wo dauern Prozesse zu lange und was können wir kurzfristig verbessern?
- Ich möchte Schulen, Kitas, Sportstätten und andere kommunale Räume stärker für Sport, Kultur und Begegnung öffnen und dafür schnell konkrete Möglichkeiten identifizieren.
Die Arbeit eines Bürgermeisters ist auch die Stadt Strausberg nach außen zu präsentieren. Die Hauptaufgabe ist es jedoch die Stadtverwaltung mit den immerhin 350 Angestellten in verschiedensten Funktionen zu leiten. Was qualifiziert Sie dazu, diese Arbeit zum Wohle der Einwohner gut auszuführen?
- Ich verstehe die Aufgabe des Bürgermeisters als Führungsaufgabe: Ich muss nicht der bessere Fachbereichsleiter oder Sachbearbeiter sein, sondern den rund 350 Beschäftigten Orientierung geben, Verantwortung ermöglichen und mit ihnen eine gemeinsame Strategie verfolgen, damit am Ende für die Menschen in Strausberg gute Ergebnisse entstehen.
- Ich bringe Führungserfahrung aus meiner Gewerkschaftsarbeit mit: Dort habe ich gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Mitarbeitende zu führen, Aufgaben zu delegieren und gemeinsam konkrete Ziele zu erreichen.
- Gute Führung bedeutet für mich, den Sachverstand der Beschäftigten zu nutzen: Als Führungskraft habe ich erfahren, dass gute Entscheidungen entstehen, wenn Verantwortlichkeiten klar sind und die Menschen beteiligt werden, die die praktische Erfahrung besitzen.
- Ich bin es gewohnt, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen: Gewerkschaftsarbeit bedeutet verhandeln, Konflikte lösen, Kompromisse organisieren und trotzdem ein klares Ziel verfolgen – genau diese Fähigkeiten braucht auch die Führung einer großen Stadtverwaltung.
- Veränderungen funktionieren nur mit den Beschäftigten und nicht gegen sie: Aus meiner Führungserfahrung weiß ich, wie wichtig klare Kommunikation, Verlässlichkeit und Beteiligung sind, wenn Strukturen und Arbeitsabläufe sich weiter entwickeln sollen.
Wo setzen Sie ihre Prioritäten bei der Stadtinnenentwicklung ohne den Wasserhaushalt des Straussees (beipielsweise durch zusätzliche Versiegelungen, und steigendem Wasserverbrauch durch Zuzug) weiter zu gefährden?
- Strausberg braucht eine gemeinsame Wasserstrategie mit dem WSE und den Nachbarkommunen. Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung und Stadtentwicklung müssen stärker zusammen gedacht werden. Ich will im WSE verbindlich klären, welche Siedlungsentwicklung mit den verfügbaren Wasserressourcen vereinbar ist und wie Wasser durch Einsparung, Wiederverwendung, Versickerung und langfristig auch durch die Rückführung gereinigten Abwassers stärker in der Region gehalten werden kann.
- Stadtentwicklung in Strausberg muss sich am verfügbaren Wasserhaushalt orientieren. Bei der Fortschreibung der Stadtstrategie sollten Wasserverfügbarkeit, Grundwasserneubildung und zusätzliche Abwassermengen verbindlich als Rahmenbedingungen für die weitere Siedlungsentwicklung berücksichtigt werden.
- Innenentwicklung sollte mit einer Verbesserung der Wasserbilanz verbunden werden. Neue Versiegelung ist möglichst zu vermeiden oder auszugleichen. Entsiegelung, wasserdurchlässige Flächen, Begrünung sowie die Rückhaltung und Versickerung von Regenwasser sollten deshalb systematisch Bestandteil der Bauleitplanung werden.
- Wassersensible Bauweisen müssen zum Standard werden. Bei Neubau und Sanierung sollten Zisternen, Regenwassernutzung, Gründächer und – wo technisch und wirtschaftlich sinnvoll – Grauwasseranlagen frühzeitig mitgeplant werden. Modellprojekte zeigen für Grauwasserrecycling ein erhebliches Potenzial zur Verringerung des Trinkwasserverbrauchs.
- Größere Bauvorhaben brauchen eine nachvollziehbare Wasserbilanz. Bereits im Planungsverfahren sollte dargestellt werden, welche zusätzlichen Trinkwasser- und Abwassermengen entstehen, wie viel Fläche versiegelt wird und welche Maßnahmen zur Versickerung, Speicherung und Wiederverwendung von Wasser vorgesehen sind.
- Die Bundeswehr als großer Flächennutzer in Strausberg muss in eine auf nachhaltige Wassernutzung angelegte Stadtentwicklungsstrategie aktiv einbezogen werden.
- Der Schutz des Straussees und seines Einzugsgebietes muss Bestandteil der langfristigen Stadtplanung sein. Stadtentwicklung, Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Klimaanpassung und Landschaftsentwicklung sollten deshalb nicht getrennt geplant, sondern in einer kommunalen (Wasser)Strategie zusammengeführt werden.
In Strausberg gelten die SWG und die hiesigen Genossenschaften (WBG Aufbau und
Neues Wohnen) zu den größten Vermietern. Sie verfügen über einen enormen Alt-
Wohnbestand, was in den einzelnen Wohnarealen zu enormen Parkplatzproblem führt.
Wie ist Ihr Lösungsansatz?
- Wer auf sein Auto angewiesen ist, braucht auch eine realistische Möglichkeit, es in Wohnungsnähe abzustellen. Dort, wo der Parkdruck besonders groß ist, sollten zusätzliche und besser organisierte Stellplatzangebote schaffen – möglichst flächensparend und verbunden mit einer Aufwertung des gesamten Wohnquartiers.
- Ich plädiere für Quartierskonzepte statt einzelner Parkplatzmaßnahmen. Dabei werden Parken, Wohnen, Grünflächen, Barrierefreiheit, Feuerwehrzufahrten sowie Fuß- und Radverkehr gemeinsam betrachtet. Wir sollten prüfen, ob Stellplätze, die abends oder nachts ungenutzt sind, für Bewohner geöffnet werden können. Der Strausberger Stellplatzsatzungsentwurf eröffnet ausdrücklich Möglichkeiten einer Mehrfachnutzung, wenn sich die Nutzungszeiten unterscheiden. Das kann zusätzliche Parkmöglichkeiten schaffen, ohne dafür neu bauen zu müssen.
- Wir haben konkrete baurechtliche Möglichkeiten: Über Bebauungspläne, die Strausberger Stellplatzsatzung, Stellplatzablöse, kommunale Grundstücke und Vereinbarungen mit SWG und Genossenschaften können Stellplätze gebündelt und neue Lösungen ermöglicht werden. Bei Neubau und größeren Sanierungen muss die Parkplatzfrage deshalb von Anfang an mitgeplant werden.
- Alternativen zum Auto sollen den Parkdruck zusätzlich verringern. Bessere Radwege und Fahrradabstellplätze, S-Bahn, Strausberger Eisenbahn, Bus und Sharing können dazu beitragen. Jeder dadurch freiwerdende Stellplatz hilft denjenigen, die auf ihr Auto angewiesen sind. Das Strausberger Radverkehrskonzept liefert hierfür bereits konkrete Ansatzpunkte.
Auf dem Territorium der Stadt Strausberg haben sich viele Gewerbebetriebe
angesiedelt. Mit welcher Strategie wollen Sie die deren Entwicklung vorantreiben?
- Es gilt bestehende Unternehmen zu stärken, statt einseitig auf Neuansiedlungen zu schauen. Strausbergs Betriebe sichern Arbeitsplätze, Ausbildung und einen erheblichen Teil unserer eigenen Einnahmen. Strausberg hat bereits einen festen Ansprechpartner für Unternehmen in der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, Kultur und Tourismus. Darauf sollten wir aufbauen: Der Ansprechpartner muss als Wirtschaftslotse Anliegen aufnehmen, innerhalb der Verwaltung koordinieren und bei Problemen zwischen Unternehmen, Stadtplanung, Grundstücksmanagement oder Gewerbeamt vermitteln. Die bereits bestehenden Unternehmerdialoge ergänzen diesen direkten Kontakt.
- Gewerbesteuer stabilisieren – durch eine breite Wirtschaftsstruktur. Mit rund 7,5 Mio. Euro jährlich ist die Gewerbesteuer eine wichtige Säule unseres Haushalts. Sie ist aber konjunkturabhängig und schwankt. Deshalb brauchen wir nicht Wachstum um jeden Preis, sondern unterschiedliche, langfristig tragfähige Unternehmen, damit Strausberg nicht von einzelnen großen Steuerzahlern abhängig ist.
- Strausberg hat begrenzte Flächen und wird kein unbegrenzt wachsender Gewerbestandort. Deshalb sollte bei neuen Flächen stärker zählen: Wie viele gute Arbeits- und Ausbildungsplätze entstehen? Welche lokale Wertschöpfung und Gewerbesteuer sind zu erwarten? Dabei darf Gewerbesteuer allerdings nicht das einzige Kriterium sein. Ein Handwerksbetrieb, ein innovatives mittelständisches Unternehmen oder ein Betrieb mit vielen Ausbildungsplätzen kann für Strausberg einen erheblichen Wert haben, auch wenn er nicht der größte Gewerbesteuerzahler ist. Entscheidend ist eine Gesamtbetrachtung von Beschäftigung, Ausbildung, Wertschöpfung, Innovation und kommunalen Einnahmen.
- Wirtschaftsentwicklung innerhalb unserer ökologischen Grenzen. Neue Ansiedlungen müssen von Anfang an hinsichtlich Wasser, Energie, Verkehr und Flächenverbrauch geprüft werden. Das bedeutet nicht, wirtschaftliche Entwicklung zu verhindern. Im Gegenteil: Wer früh weiß, welche infrastrukturellen Grenzen und Möglichkeiten bestehen, kann verlässlicher investieren. Deshalb sollten Stadtplanung, Wirtschaftsförderung, Stadtwerke und weitere Infrastrukturträger bei größeren Vorhaben frühzeitig gemeinsam an einen Tisch.
- Strausberg steht wirtschaftlich nicht für sich allein. Arbeitnehmer, Kunden, Lieferketten und Verkehrsströme enden nicht an unserer Stadtgrenze. Deshalb müssen wir mit unseren Nachbarkommunen, dem Landkreis, der STIC Wirtschaftsfördergesellschaft und der Wirtschaftsförderung Brandenburg proaktiv zusammenarbeiten. Daraus sollte eine aktivere gemeinsame Standortpolitik für den Wirtschaftsraum östlich von Berlin entstehen.
Die Elektromobilität nimmt deutschlandweit immer mehr Raum ein- wo sehen Sie in
und für Strausberg Handlungsbedarf?
- Wer in Strausberg zur Arbeit, zum Einkauf oder zum Bahnhof muss, sollte möglichst unkompliziert zwischen Auto, Straßenbahn, S-Bahn, Bus und Fahrrad wählen können. Elektromobilität ist dabei ein wichtiger Baustein – unser Ziel ist eine bezahlbare, verlässliche und gut verknüpfte Mobilität für die ganze Stadt.
- Elektroautos sind besonders wirtschaftlich, wenn sie wohnortnah und zu günstigen Strompreisen geladen werden können. Als Stadt mit vielen Mietwohnungen brauchen wir deshalb Lösungen, die Elektromobilität auch für Menschen ohne eigene Garage oder privaten Ladepunkt attraktiv und bezahlbar machen. Öffentliche Ladepunkte sind heute häufig deutlich teurer als Haushaltsstrom. Gerade in unseren großen Wohngebieten liegt deshalb die Chance, neue gemeinschaftliche Lademodelle zu entwickeln. Hier betreten wir teilweise Neuland – gemeinsam mit den Stadtwerken möchte ich deshalb ein Modellprojekt für wohnortnahes und deutlich preiswerteres Laden auf den Weg bringen.
- Wir fangen nicht bei null an. Die Stadtwerke betreiben bereits öffentliche Ladepunkte unter anderem am Bahnhof Strausberg, am S-Bahnhof Strausberg Nord, am Handelscentrum, am Fichteplatz, in der Konradstraße und in der Müncheberger Straße. Jetzt sollten wir prüfen, wo im Stadtgebiet noch echte Lücken bestehen und wo die Nachfrage den weiteren Ausbau rechtfertigt.
- Neue Ladepunkte sollten vor allem dort entstehen, wo die Autos ohnehin stehen: an Wohnquartieren, Einkaufsstandorten und wichtigen Umsteigepunkten. Gerade unsere S-Bahnhöfe bieten sich dafür an, Elektromobilität mit dem ÖPNV zu verbinden. Strausberg verfügt mit S5, Straßenbahn 89 und zahlreichen Buslinien über ein für eine Stadt unserer Größe bemerkenswert vielfältiges Verkehrsangebot.
- Auch die Stadt selbst sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Den kommunalen Fuhrpark möchte ich deshalb schrittweise elektrifizieren – aber nicht nach Quote, sondern dort, wo Fahrzeuge ausreichend genutzt werden, die Ladeinfrastruktur vorhanden ist und sich die Umstellung über die gesamte Nutzungsdauer wirtschaftlich rechnet.
Wie wollen Sie die Stadtverwaltung reformieren, damit sie weiterhin bürgernah und
doch digitaler fungiert?
- Wer sich an die Stadtverwaltung wendet, soll möglichst nicht darüber nachdenken müssen, welcher Fachbereich zuständig ist oder welches Formular gebraucht wird. Entscheidend ist das Anliegen des Bürgers. Eine moderne Verwaltung organisiert sich deshalb stärker vom Menschen und seinem Anliegen her – und weniger von ihren eigenen Zuständigkeitsgrenzen.
- Ein schlechter analoger Prozess darf nicht einfach zu einem schlechten digitalen Prozess werden. Strausberg hat in den vergangenen Jahren viel in Technik, Serviceportal und Fachverfahren investiert. Jetzt müssen wir stärker auf die Abläufe schauen. Bei wichtigen Dienstleistungen will ich systematisch prüfen: Welche Schritte sind wirklich notwendig? Wo warten Vorgänge unnötig? Wo werden Daten mehrfach erfasst? Wo wechseln wir noch zwischen Papier und digitaler Akte? Erst danach wird digitalisiert.
- Modernisierung funktioniert nicht gegen die Beschäftigten, sondern nur mit ihnen. Viele Beschäftigte wissen sehr genau, wo Abläufe unnötig kompliziert sind. Dieses Wissen müssen wir besser nutzen. Entscheidungen sollen möglichst dort getroffen werden, wo die fachliche Kompetenz liegt. Führungskräfte sollen Verantwortung ermöglichen, statt jeden Einzelfall nach oben zu ziehen. Gute Vorschläge aus der Belegschaft müssen sichtbar aufgenommen und umgesetzt werden.
- Digitalisierung soll Wege ersparen, nicht Menschen ausschließen. Das Strausberger Serviceportal ist ein guter Anfang. Ich möchte daraus schrittweise ein echtes digitales Rathaus machen: mehr Anträge vollständig online stellen, Gebühren online bezahlen, Unterlagen digital nachreichen und – wo technisch und rechtlich möglich – den Bearbeitungsstand nachvollziehen. Gleichzeitig bleibt der persönliche Zugang erhalten. Wer Hilfe braucht oder sein Anliegen lieber mit einem Menschen klärt, muss weiterhin telefonisch oder vor Ort einen Ansprechpartner erreichen können.
- Dieses Prinzip – digital, wo es schneller geht, persönlich, wo es gebraucht wird – möchte ich auf weitere Bereiche der Verwaltung übertragen. Im Bürgerbüro sehen wir bereits, dass digital und persönlich zusammen funktionieren können. Termine können online gebucht werden, gleichzeitig gibt es telefonische Beratung und persönliche Vorsprache. Schon 2023 wurden mehr als die Hälfte der Termine online gebucht; zugleich wurden damals 30 bis 40 Prozent der täglichen Vorgänge ohne Termin bearbeite.
Die Lebenshaltungskosten und Aufwendungen steigen im Allgemeinen. Auch die
Kommunen haben steigende Kosten/Aufwendungen beispielsweise Personalkosten,
Planungs- und Baukosten etc. und weiteren Herausforderungen zu bewältigen. Wie ist
Ihre Strategie?
- Wir müssen zuerst unterscheiden, was wir als Stadt beeinflussen können und was nicht. Steigende Energiepreise oder Tarifabschlüsse werden wir im Rathaus nicht wegverhandeln können – aber wo wir Gestaltungsmöglichkeiten haben, müssen wir sie konsequent nutzen; und dafür braucht es eine klare politische Haltung: Wo der Markt dauerhaft nicht funktioniert, muss die Gemeinschaft wieder stärker selbst organisieren.
- Wir müssen uns fragen, welche Leistungen die Stadt wieder selbst erbringen kann. Wenn wir bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen dauerhaft Preise bezahlen, die mit der tatsächlichen Leistung kaum noch zu erklären sind, müssen auch ungewöhnliche Antworten erlaubt sein: Warum entwickeln wir beispielsweise den SWG-Hausservice nicht so weiter, dass perspektivisch mehr Bau- und Sanierungsleistungen für unsere kommunalen Gebäude selbst erbracht werden können?
- Dasselbe gilt für Planungsleistungen: Wenn wir jedes Jahr Millionen für externe Planer und Berater ausgeben, müssen wir ausrechnen, ab wann eigenes qualifiziertes Personal günstiger und besser ist – ich finanziere mit Steuergeld lieber eine zusätzliche Stelle im Rathaus als den dritten Volvo eines Architekturbüros.
- Aus meiner Gewerkschaftsarbeit weiß ich, dass Verhandlungen auch eine glaubwürdige Alternative brauchen. Wenn Unternehmen wissen, dass die Stadt Leistungen notfalls selbst organisieren, anders ausschreiben oder dauerhaft eigene Kompetenzen aufbauen kann, werden manche sehr selbstbewussten Preisvorstellungen plötzlich wieder verhandelbar – die öffentliche Hand darf nicht als Selbstbedienungsladen wahrgenommen werden.
- Die großen Hebel liegen aber nicht bei Hundesteuer und Parkgebühren, sondern bei der Finanzierung der Kommunen insgesamt. Deshalb will ich mit unseren Nachbarstädten und Gemeinden ein starkes Bündnis bilden und gegenüber Land und Bund eine auskömmliche Finanzierung unserer Aufgaben einfordern.
Derzeit wohnen in Strausberg über 28.000 Einwohner, viele von ihnen sind über 55
Jahre alt. Die Zahl der Rentner und Pensionäre wächst, einige bedürfen Betreuung
und Pflege. In einigen Bereichen gibt es wenig Fachärzte. Was wollen Sie auf den Weg
bringen, um alle Menschen nach ihren Bedürfnissen zu versorgen?
- Dass man für einen Hautarzttermin nach Bernau oder Berlin fahren muss, fühlt sich für ein Mittelzentrum wie Strausberg schlicht nicht richtig an. Deshalb sollten wir die Entwicklung Medizinischer Versorgungszentren weiter unterstützen: Mehrere Fachrichtungen an einem Standort können Strukturen effizienter machen und Strausberg für die wenigen Medizinerinnen und Mediziner attraktiver machen, die einen Ort für ihre Niederlassung suchen – den grundsätzlichen Ärztemangel werden wir als Stadt damit allerdings nicht lösen.
- Die ambulante Pflege ist eine zentrale Säule unserer Stadt und verdient ganz praktische Unterstützung. Die Frauen und Männer, deren kleine Flitzer sieben Tage die Woche im Stadtbild unterwegs sind, pflegen unsere Angehörigen zu Hause – wenn wir ihnen beispielsweise mit geeigneten Parkregelungen die tägliche Parkplatzsuche erleichtern können, bleibt mehr Zeit für die Menschen und vielleicht auch einmal fünf Minuten zum Durchatmen.
- Wir müssen gleichzeitig ehrlich darüber sprechen, dass ambulante Pflege nicht für jeden dauerhaft eine Lösung sein kann. Deshalb gehört zu einer neuen Strausberger Stadtstrategie auch die Frage, wie viele stationäre, teilstationäre und betreute Angebote wir angesichts unserer Altersstruktur in zehn oder zwanzig Jahren tatsächlich benötigen und wo dafür Flächen und Einrichtungen vorgehalten werden müssen.
- Bei den Kosten der stationären Pflege sehe ich eine soziale Zeitbombe auf uns zukommen. Schon heute kommen Menschen mit vernünftigen Renten bei den Eigenanteilen an ihre Grenzen; für die nachfolgenden Generationen mit häufiger unterbrochenen Erwerbsbiografien wird die Situation noch schwieriger – deshalb sollten wir prüfen, ob eine gemeinnützige Pflege- und Betreuungsgesellschaft auf Ebene des Landkreises nach dem Vorbild öffentlicher Gesundheitsstrukturen Versorgungslücken schließen und einen gemeinwohlorientierten Gegenpol schaffen kann.
- Am Ende geht es aber um mehr als Ärzte und Pflegeplätze: Wir müssen Strausberg so planen, dass Menschen hier selbstbestimmt alt werden können. Barrierearme Wohnungen, funktionierende Wohnungstauschmodelle bei SWG und Genossenschaften, erreichbare Einkaufsmöglichkeiten, ÖPNV, Sport, Kultur und Begegnungsorte gehören deshalb genauso in eine neue Stadtstrategie wie die medizinische und pflegerische Versorgung.
Die Strausberger Geburtsklinik wurde in der Mitte des Jahres geschlossen, weil zu
wenig Kinder zur Welt kommen. Im Juli wurde sogar eine Kita geschlossen. Was
wollen Sie unternehmen, dass diese Entwicklung umgekehrt wird?
- Wie ich dafür sorgen will, dass in Strausberg wieder mehr Kinder geboren werden? Menschen entscheiden sich für Nachwuchs, wenn sie ein Mindestmaß an ökonomischer und sozialer Sicherheit an einem Ort vorfinden, den sie ihr Zuhause nennen können – bezahlbares Wohnen, verlässliche Betreuung, gute Schulen, Arbeit und ein lebenswertes Umfeld sind deshalb die Stellschrauben, an denen wir tatsächlich arbeiten können.
- Genau deshalb braucht Strausberg wieder eine Strategie und nicht für jedes Problem eine einzelne Antwort. Unser INSEK von 2017 hilft uns bei den heutigen demografischen Fragen nur noch begrenzt; wir müssen Wohnen, Bevölkerungsentwicklung, Kitas, Schulen, soziale Infrastruktur und Wirtschaft gemeinsam betrachten – dafür einen Beitrag zu leisten, sehe ich als meine Aufgabe und die meiner Kolleginnen und Kollegen in der Stadtverwaltung.
- Die Schließung der Geburtsklinik hat sich über Jahre abgezeichnet und nach meinem Kenntnisstand war insbesondere die dauerhafte fachärztliche Besetzung ein begrenzender Faktor; das ist besonders bitter, weil Klinik und Hebammen einen hervorragenden Ruf hatten.
- Die Schließung von Kitas ärgert mich, weil die Stadt hier sehr wohl Gestaltungsmöglichkeiten hat. Bevor wir einen öffentlichen Ort aufgeben, sollten wir frühzeitiger und kreativer überlegen, wie eine kleinere Kita mit sozialen, kulturellen oder nachbarschaftlichen Angeboten unter einem Dach funktionieren kann.
- Kitas und Grundschulen sind mehr als Gebäude für einen einzigen Zweck – sie sind öffentliche Orte in der Hand der Gemeinschaft. Wenn Kinderzahlen zeitweise zurückgehen, sollten wir deshalb nicht vorschnell Infrastruktur abbauen, die wir wenige Jahre später vielleicht wieder teuer aufbauen müssen, sondern flexible Nutzungen und Kooperationen mit sozialen Trägern prüfen. Wie kann die Stadt Strausberg Mehreinnahmen generieren?
- Wir sollten bei dieser Frage zunächst ehrlich über die Größenordnungen reden: Eine Stadt wie Strausberg ist in erheblichem Maße von ihrem Anteil an den zentralen Steuereinnahmen und den Zuweisungen abhängig – mit Hundesteuer und Parkgebühren werden wir unseren Haushalt nicht sanieren.
- Den größten eigenen Hebel sehe ich in einer starken wirtschaftlichen Basis. Bestehende Unternehmen müssen sich entwickeln können und bei neuen Gewerbeansiedlungen sollten wir stärker darauf schauen, welche Wertschöpfung, Arbeitsplätze und langfristigen Gewerbesteuereinnahmen sie nach Strausberg bringen.
- Wir müssen uns als Stadt strategisch so aufstellen, dass wir möglichst viel vom „Beifang“ der Förderprogramme mitnehmen. Wenn Bund, Land oder EU Geld für Schulen, Infrastruktur, Klimaanpassung oder andere Investitionen bereitstellen, müssen wir fertige Ideen und Planungen in der Schublade haben – Fördermittel bekommt häufig derjenige, der handlungsfähig ist, wenn ein Programm aufgelegt wird.
- Eine aktive Bodenpolitik ist ebenfalls Finanzpolitik. Kommunale Grundstücke sollten wir nicht verkaufen, um einmalig Haushaltslöcher zu stopfen, sondern dort behalten oder strategisch erwerben, wo sie uns langfristig Einnahmen und vor allem Gestaltungsmöglichkeiten für Wohnen und Gewerbe sichern.
- Am wichtigsten bleibt aber die strukturelle Finanzierung der Kommunen. Deshalb will ich Bündnisse mit unseren Nachbarstädten und Gemeinden schmieden und gegenüber Land und Bund gemeinsam Druck machen – denn wir können in Strausberg noch so klug wirtschaften: Wenn den Kommunen immer mehr Aufgaben übertragen werden, ohne ihnen das notwendige Geld mitzugeben, lässt sich dieses Problem nicht im Rathaus wegsparen.
Welche freiwilligen Leistungen besitzen für Sie Priorität?
- Mit dem Begriff „freiwillige Leistungen“ tue ich mich ehrlich gesagt schwer. Für mich ist das ein Begriff aus den Neunzigerjahren und aus einer Zeit, in der Kommunalpolitik vielerorts vor allem bedeutete, in der Haushaltssicherung zu entscheiden, was als Nächstes gestrichen wird – ich habe damals selbst Jugend- und Kulturarbeit in Strausberg gemacht und diesen Begriff hassen gelernt.
- Kultur, Sport, Jugendarbeit, Seniorenangebote und die Unterstützung des Ehrenamtes sind für mich keine verzichtbaren Extras. Sie machen aus einer Ansammlung von Häusern überhaupt erst eine Stadt, in der Menschen miteinander leben und sich zu Hause fühlen.
- Meine Aufgabe als Bürgermeister wäre deshalb zunächst, gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen in der Verwaltung dafür zu sorgen, dass Strausberg finanziell handlungsfähig bleibt und gar nicht erst in eine Situation kommt, in der wir Kultur, Sport und soziale Angebote gegeneinander ausspielen müssen.
- Dabei geht es nicht immer nur um zusätzliches Geld, sondern auch darum, das Vorhandene besser zu nutzen. Schulen, Kitas, Turnhallen und Sportanlagen sind mit öffentlichen Mitteln gebaut worden – deshalb möchte ich sie außerhalb ihrer Kernzeiten stärker und möglichst unkompliziert für Vereine, Kultur, Nachbarschaft und Begegnung öffnen.
- Wenn Sie mich trotzdem nach einer Priorität fragen, dann lautet sie: gesellschaftliche Teilhabe. Kinder und Jugendliche, Sport, Kultur, Seniorenarbeit und Ehrenamt schaffen Zusammenhalt – eine Stadt, die an diesen Dingen spart, kann am Ende einen ausgeglichenen Haushalt haben und trotzdem ziemlich arm sein.
In den letzten Jahren war ein immer größer werdender Graben zwischen
Rathausspitze und der Stadtverordnetenversammlung zu beobachten. Wie wollen Sie
die Kommunalpolitik wieder hinter der Rathausspitze vereinen und die Akteure von
Ihren Visionen überzeugen?
- Ich hatte in den vergangenen Jahren häufig den Eindruck, dass sich die alte Rathausspitze von den Stadtverordneten eher genervt fühlte und die Zusammenarbeit nicht besonders kollegial war. Selbst als „Wochenend- Strausberger“ habe ich diese zunehmende Zuspitzung mitbekommen – und ich halte sie für vollkommen unnötig.
- Vertrauen entsteht durch Gespräche und rechtzeitige Einbeziehung und nicht dadurch, dass man fertige Entscheidungen auf den Tisch legt. Wichtige Vorhaben möchte ich deshalb gemeinsam mit den Stadtverordneten entwickeln und sie nicht erst dann beteiligen, wenn eigentlich nur noch zugestimmt werden soll.Das läuft in jedem Betrieb so, der vernünftig funktionieren soll – und im Rathaus sollte es nicht anders sein. Man muss nicht immer einer Meinung sein, aber man muss miteinander reden, einander ernst nehmen und nach einer Entscheidung wieder gemeinsam arbeitsfähig sein.
- Gerade die neue Strategie für Strausberg darf keine Strategie des Bürgermeisters werden. Stadtverordnete, Verwaltung und Stadtgesellschaft müssen gemeinsam darüber diskutieren, wo Strausberg in zehn oder zwanzig Jahren stehen soll – nur dann entsteht daraus eine Orientierung, die auch einen Wechsel von Mehrheiten und Personen überdauert.
- Ich möchte deshalb auch niemanden von „meiner Vision“ überzeugen oder die Stadtverordneten „hinter der Rathausspitze vereinen“. Das wäre schon wieder das falsche Verständnis: Wir brauchen ein gemeinsames Ziel für Strausberg – und meine Aufgabe als Bürgermeister ist es, den Prozess zu organisieren, aus unterschiedlichen Positionen tragfähige Entscheidungen zu machen und diese dann mit der Verwaltung umzusetzen.
Der/die zukünftige Bürgermeister/in hat einen Sitz im Vorstand des WSE. Welche
Strategie verfolgen Sie bezüglich des WSE und der Mitgliederversammlung?
- Wenn dauerhaft weniger Wasser zur Verfügung steht, als für alle Wünsche nach Wachstum, Gewerbe und Verbrauch benötigt wird, wird aus der Wasserfrage zwangsläufig auch eine Verteilungsfrage. Ich werde mich in der Mitgliederversammlung dafür einsetzen, dass die Verlierer nicht die Strausbergerinnen und Strausberger sind. Andere Kommunen haben ebenso berechtigte Interessen, und ich bin sicher, dass wir Partner finden werden, die viele unserer Sorgen teilen – am Ende müssen wir miteinander einen tragfähigen Kompromiss finden. Aus meiner Gewerkschaftsarbeit kenne ich solche Situationen ziemlich gut: Jeder vertritt zunächst selbstbewusst die Interessen der Menschen, für die er am Tisch sitzt, und anschließend sucht man eine Lösung, die für die große Mehrheit tragfähig ist und nicht einzelne Partner über Gebühr belastet.
- Langfristig werden wir die Verteilungsfrage aber nur entschärfen, wenn wir gemeinsam dafür sorgen, dass wir mit der vorhandenen Ressource Wasser intelligenter umgehen. Deshalb will ich im WSE für eine gemeinsame Wasserstrategie eintreten, die Bevölkerungs- und Gewerbeentwicklung mit den tatsächlich verfügbaren Ressourcen verbindet und zugleich Regenwassernutzung, regionale Wasserkreisläufe und neue technische Lösungen voranbringt.
Wo sehen Sie Strausberg in 8 Jahren?
- Bei dieser Art von Fragen muss ich immer ein bisschen schmunzeln. Hätte man unseren ehemaligen Bürgermeister Manfred Tippmann 1982 gefragt, wie Strausberg acht Jahre später aussehen wird, hätte er mit ziemlicher Sicherheit daneben gelegen – ein bisschen Demut gegenüber der Zukunft schadet uns also nicht.
- Nachdem ich gelesen habe, dass in der Baugrube des neuen Gymnasiums an der alten Polizeiwache Spuren von Menschen gefunden wurden, die hier schon vor rund 3.500 Jahren gelebt haben, erscheinen acht Jahre Amtszeit ohnehin ziemlich überschaubar. Mein Anspruch ist deshalb nicht, Strausberg neu zu erfinden, sondern meinen Beitrag dazu zu leisten, dass dieser Ort nach acht Jahren ein Stück besser dasteht als heute.
- Was ich allerdings verändern möchte: Strausberg soll nicht mehr jeder einzelnen Entwicklung hinterherlaufen. Das INSEK von 2017 kann für die Herausforderungen der kommenden Jahre keine ausreichende strategische Grundlage mehr sein – wir brauchen eine gemeinsam getragene Vorstellung davon, wie sich Wohnen, Wirtschaft, Wasser, Verkehr und soziale Infrastruktur entwickeln sollen.
- Wenn ich 2034 zurückblicke, möchte ich sehen, dass Strausberg bezahlbar und lebenswert ist und wir mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen vernünftig umgegangen sind. Dazu gehören bezahlbares Wohnen genauso wie der Schutz unserer Wasserressourcen, eine starke Wirtschaft, Sport und Kultur und eine Stadt, in der Jung und Alt ihren Platz finden.
- Und vielleicht ist der wichtigste Maßstab am Ende gar kein einzelnes Projekt. Wenn Rathaus, Stadtverordnete, Unternehmen, Vereine und die Menschen wieder stärker miteinander statt übereinander reden und das Gefühl haben, gemeinsam an dieser Stadt zu arbeiten, dann wäre Strausberg nach diesen acht Jahren hoffentlich ein bisschen besser als heute – und damit könnte ich ziemlich gut leben.
